ab 5 Jahren, Bilderbücher, Kinderbücher
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Oh. Kiddobuch! #3 – „Meine liebsten Dinge müssen mit“

Oh. Kiddobuch! Jede Woche wird an dieser Stelle ein Kinderbuch in wenigen kurzen Absätzen exklusiv vorgestellt. „Meine liebsten Dinge müssen mit“ ist das erste Buch der in Deutschland lebenden Iranerin Sepideh Sarihi und das neueste von Julie Völk, einer bemerkenswerten österreichischen Illustratorin.

Worum es geht. Kurz und knapp.

Ein kleines Mädchen bekommt von seinen Eltern einen kleinen Koffer überreicht – mit dem Hinweis, nur die liebsten Dinge einpacken zu können. Die Familie würde in ein anderes Land fliegen und dort in einer neuen Wohnung leben. Zu vieles ist dem Mädchen wichtig: das Aquarium, ein von Opa gebauter Holzstuhl, ein Birnbaum, der Schulbus. Und die beste Freundin.

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

Der Koffer ist zu klein, aber das Mädchen verzweifelt nicht: Sie schickt die vielen Erinnerungen über das Meer und wartet im neuen Zuhause zuversichtlich auf ihre Ankunft. Wir erfahren aufgrund der naiven kindlichen Perspektive, aus der erzählt wird, nichts über die vermutlich ernsten Hintergründe, die zur Migration führten. Für erwachsene Bilderbuchbetrachter ist es leichter, die feinen Hinweise in Text und Bildern zu deuten. Hier geht es um Flucht, um das Zurücklassen von Liebgewonnenem und um das Ankommen in einem fremden Land.

Wer soll das lesen?

Alle, die Menschen mit Migrationsbiografien kennenlernen und im Begriff sind, Empathie und Ambiguitätstoleranz zu entwickeln. Die Begleiterscheinungen von Flucht sind gewiss nicht leicht vorstellbar, wenn man sie selbst nicht erlebt hat, und viele offene Fragen stehen im Raum: Wie muss es sich anfühlen, Geliebtes zurückzulassen und in einem neuen Land ganz neu anzufangen?

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

Dieses Buch lässt die Traurigkeit eines Mädchens durchschimmern, aber auch seinen vorsichtigen Optimismus. Möglicherweise kann diese Ambivalenz wertvolle Erkenntnisse liefern, wenn etwa Kinder auf neue Mitschüler zugehen und ihnen respektvoll und wertschätzend begegnen sollen.

Worte, die hängen bleiben

„Ich warte immer noch auf die Flaschen mit meinen liebsten Dingen drin. Auf mein Aquarium, auf meine Freundin, auf den Schulbus und den Fahrer, auf meinen Holzstuhl und auf meinen Birnbaum. Ich weiß, dass es vielleicht ein bisschen länger dauern kann. Aber das ist nicht so schlimm, das kann warten.“

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

© Sarihi/Völk: Meine liebsten Dinge müssen mit, Beltz & Gelberg 2018.

Warum wir dieses Buch so gerne lesen

Sepideh Sarihis Text erzählt aus einer bewusst harmlosen Perspektive vom Einpacken, vom Verabschieden, vom Warten auf die Erinnerungen, die übers Meer schwimmen sollen, und vom Ankommen. In Kombination mit Julie Völks feinen Schwarz-Weiß-Zeichungen samt pastellfarbenen Akzenten schafft es dieses Buch trotz der verklärten Sichtweisen des Mädchens eindrucksvoll, davon zu berichten, wofür wir Außenstehende keine Worte finden können. Ein zartes, unaufdringliches Bilderbuch, das umso stärker nachwirkt.

„Meine liebsten Dinge müssen mit“ von Sepideh Sarihi und Julie Völk (Beltz & Gelberg, 30 S., ab 5 J.). Gedruckt in Deutschland (Beltz Grafische Betriebe, Bad Langensalza) auf Papier mit FSC-Mix-Label.

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