Elternalltag, Kinder haben
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Wie problematisch Lärm in der Schwangerschaft sein kann

Ab wann ist Lärm für Mutter und Kind schädlich? Während einer Schwangerschaft unter konstanter Lärmbelastung zu arbeiten oder den Fötus durch die Bauchdecke mit Kopfhörer zu beschallen, ist keinesfalls zu empfehlen.

Von Lärm spricht man ab dem Zeitpunkt, ab dem Schall als störend empfunden wird. Ab wann dies der Fall ist, ist individuell und von Geräusch zu Geräusch verschieden. Die Schmerzschwelle liegt bei ungefähr 130 Dezibel (dB), doch bereits bei einem Messwert von 110 dB werden Geräusche als unangenehm erlebt – dies entspricht etwa dem Pegel in Diskotheken oder dem eines Presslufthammers. Bei Flugzeugstarts oder manchen Konzerten werden an die 120 dB erreicht. Grundsätzlich ist mittels Schalldruckpegel (angegeben in Dezibel) messbar, ab wann Töne für das menschliche Gehör schädlich sind.

Lärm kann Krankheiten auslösen. Bei fortdauernder Belastung gilt Lärm bereits ab 85 dB als Gesundheitsrisiko (80 bis 100 dB erreichen vorbeifahrende LKWs, Motorsägen oder Winkelschleifer). In erster Linie wird den Ohren Schaden zugefügt, man muss aber auch mit anderen Beschwerden rechnen, etwa mit Bluthochdruck oder Konzentrations- und Schlafstörungen, die das Immunsystem schwächen.

Die Tatsache, dass Schwangere und Babys noch sensibler auf Lärm reagieren, verwundert wenig. Im Mutterschutzgesetz ist dementsprechend auch festgehalten, dass Arbeitgeber unter den „Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit von werdenden und stillenden Müttern und ihren Auswirkungen auf die Schwangerschaft oder das Stillen“ auch den kontinuierlichen Arbeitslärm berücksichtigen müssen. Laut ArbeitnehmerInnenschutzgesetz gilt Lärm ab 80 dB als gehörgefährdend. Der Arbeitgeber muss ab diesem Messwert einen Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB muss dieser vom Arbeitnehmer auch verwendet werden.

© Daneskov: Wer wohnt denn da in Mamas Bauch?, Klett 2015.

© Daneskov: Wer wohnt denn da in Mamas Bauch?, Klett 2015.

Arbeitslärm als mögliche Ursache für Hörprobleme des Kindes

Laut einer aktuellen Studie des Karolinischen Instituts in Stockholm gibt es einen möglichen Zusammenhang zwischen berufsbedingtem Lärm in der Schwangerschaft und der Hörschwäche des eigenen Kindes. Die Daten zeigen, dass das Risiko für Hörschwächen bei jenen Kindern um 80 Prozent höher lag, deren Mütter während der Schwangerschaft hoher Lärmbelästigung ausgesetzt waren, als bei jenen, die die neun Monate in ruhiger Umgebung verbrachten. Die vier häufigsten Berufe in der Gruppe mit der höchsten Lärmbelastung waren Berufsmusiker, Tischler, Holzverarbeiter und Fleischer. Die schwedischen Forscher raten, dass Frauen in der Schwangerschaft Lärmpegel ab 80 dB meiden sollten. Die Auswirkungen von Freizeitlärm, etwa laute Musik auf Rockkonzerten, wurden in der genannten Studie nicht untersucht. Bei Freizeitaktivitäten ist man zwar Lärm meist für wesentlich kürzere Dauer ausgesetzt als das etwa durch eine laute Arbeitsumgebung der Fall wäre, die Folgen könnten jedoch ebenfalls schwerwiegend sein.

Kopfhörer auf den Bauch – eine gute Idee? 

Es ist also bewiesen, dass laute Geräusche, die kontinuierlich über einen langen Zeitraum einwirken, schädlich für das Gehör des Fötus sind – dazu gehört auch laute Musik, die etwa über Kopfhörer durch die Bauchdecke zum Kind dringt (laut WHO wird die Wiedergabe-Lautstärke von Musik in der Regel zwischen 75 dB und 105 dB eingestellt). Föten nehmen tatsächlich bereits im vierten Schwangerschaftsmonat Geräusche wahr. „Präzise Angaben zu den Auswirkungen von Lärm zu machen, ist jedoch schwierig“, sagt Veronika Schöpf, Neurowissenschaftlerin an der Karl-Franzens-Universität Graz. Die Weiterleitung der Schallwellen funktioniere im Fruchtwasser ähnlich, wie wir es aus einer Unterwasserumgebung kennen, und je nach Gestationswoche reagierten die Gehörgänge des Fötus unterschiedlich. Angst, dass Babys, die täglich zwanzig oder mehr Stunden Schlaf benötigen, von Musik in gemäßigter Lautstärke aus der Umgebung der Mutter aufgeweckt werden, muss man hingegen nicht haben: Laut Schöpf sei es im Mutterleib zu laut, um das Ungeborene zu wecken – denn die Organe der Mutter machen enorm viel Lärm in direkter Umgebung des Babys.

Musik für den Fötus: ein notwendiges Übel?

Doch wenn man dem ungeborenen Kind – Stichwort pränatale Förderung – nur hin und wieder etwas Mozart vorspielt? Eine Studie der University of Washington besagt, dass das Hören klassischer Musik die Sprachentwicklung von Kleinkindern fördert. Sollte man dann nicht auch schon den noch im Mutterleib befindlichen Fötus mit klassischer Musik beschallen? Kann das Kind in diesem Stadium nicht bereits wichtige Dinge erlernen, die später nur mühsam nachzuholen sind? „Nein, die Intelligenz des Kindes kann sehr wahrscheinlich nicht schon während der Schwangerschaft durch gezielte auditorische Reize gefördert werden“, sagt Neurowissenschafterin Schöpf. Eine Studie der Universität Wien, geleitet von IQ-Forscher Jakob Pietschnig, widerlegt zudem den Zusammenhang zwischen Intelligenz und dem Hören klassischer Musik.

© Faller/Vidali: Hundert. Was du im Leben lernen wirst. Kein & Aber 2018.

© Faller/Vidali: Hundert. Was du im Leben lernen wirst. Kein & Aber 2018.

Tut Musik während der Schwangerschaft grundsätzlich gut?

Selbstverständlich ist es nicht verboten, während der Schwangerschaft Musik zu hören, die der werdenden Mama gefällt und sie entspannt. „Ob Mozart besser als Rammstein ist, liegt im Auge des Betrachters“, sagt die Expertin. Das Musikhören sollte in Hinblick auf die Gesundheit des Kindes nur nicht in der Disco oder Konzerthalle geschehen – und auch nicht über Kopfhörer, die an die Bauchdecke angelegt werden. Wenn es der Mutter beim Musikhören in gemäßigter Lautstärke gut geht, werden aber durchaus wichtige Glückshormone ausgeschüttet, die auch den Fötus erreichen – dem Baby wird es infolgedessen ebenfalls gut gehen.


Dieser Bericht wurde auf hören.at veröffentlicht.

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Ich bin Mama & Primarstufenpädagogin, Germanistin & Skandinavistin und schreibe am liebsten über Bücher und andere brauchbare Dinge für Kinder. Ich lebe mit meinem Mann und meinen drei kleinen Kindern in Wien.

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