Elternalltag, Nachhaltig leben, Wohnen
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1 Kinderzimmer für 3

Wir fünf leben in einer Genossenschaftswohnung auf etwa 80 m² zusammen, also auf recht kleinem Raum. Im Durchschnitt entfielen in Österreich laut Statistik Austria im Jahr 2011 auf einen Wohnungsbewohner 41,2 m2 Nutzfläche – Tendenz steigend. Auf ein Haushaltsmitglied kommen im Durchschnitt 1,9 Räume! Da stellt sich doch die Frage: Was täten wir fünf mit zehn Räumen?

Die Journalistin Barbara Nothegger lebt im Wohnprojekt Wien und hat mit dem Titel „Sieben Stock Dorf“ ein Buch über Wohnexperimente für eine bessere Zukunft geschreiben. Das Wohnprojekt hätte sich vorgenommen, schreibt sie, „den Pro-Kopf-Verbrauch an Wohnfläche möglichst gering zu halten. Daher gibt es im Haus siebenhundert Quadratmeter Gemeinschaftsflächen, was 25 Prozent der Wohnflächen entsricht. Im normalen Wohnbau wird dafür üblicherweise weniger als ein Prozent veranschlagt. Ich werde Tätigkeiten aus unserer Wohnung einfach auslagern: Für die Übernachtung der Eltern reserviere ich ein Gästeapartment am Dach, und der Kindergeburtstag wird in der Gemeinschaftsküche gefeiert. Die ökologische Rechnung ist einfach: Je höher die Wohnfläche, desto höher ist auch der Ressourcenverbrauch beim Bau und im laufenden Betrieb für die Heizung.“

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© Irene Maria Gruber

Für viele Menschen seien Hinweise betreffend die ideale Individualwohnfläche eine „unzulässige Einschränkung des persönlichen Lebensbereichs. […] Laut einer Befragung von Entscheidungsträgern hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Änderung des persönlichen Lebensstils können sich 95 Prozent einen Umstieg auf regionale und biologische Lebensmittel vorstellen. Hingegen lehnt die Mehrheit eine Einschränkung der individuellen Wohnfläche ab.“ Nothegger hält fest: „Klein bedeutet aber nicht automatisch weniger Wohnkomfort.“

„Sieben Stock Dorf. Wohnexperimente für eine bessere Zukunft“ von Barbara Nothegger (Residenz), 176 S.. Gedruckt in Österreich (Gugler GmbH, Melk) nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip auf Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Früher hatte ich den Traum, ein eigenes Wohnhaus für meine Familie zu finden. Ich wollte nicht selbst bauen, sondern ein altes Gebäude renovieren, und hatte eine romantisierende Vorstellung vom Landleben. Da wir uns seit rund einem Jahr mit der Thematik beschäftigen, träumen wir nunmehr davon, eines Tages in einem Wohnprojekt zu leben. Mit flexiblen Grundrissen und dem sinnvollen Aufstellen tragender Mauern hoffe ich, dass wir bei Bedarf – und den wird meine Familie vermutlich irgendwann, wenn die kinder größer sind, haben – 5 Zimmer unterbringen. In einem Artikel auf der Website von Greenpeace wird jedem die Möglichkeit zugesprochen, durch schlaues Verhalten den persönlichen Ressourcenverbrauch in die Hand zu nehmen. In Bezug auf die Wohnraumgröße wären 30 m2 pro Person im Haushalt optimal, steht da. Unsere Wohnung wird wohl kaum 150 m2 haben, aber auch weniger wird ausreichen. Die Bewohner von Wohnprojekten sind mit ihrer Wohnsituation erfahrungsgemäß sehr glücklich.

Unsere derzeitige 3-Zimmer-Wohnung hat neben einer großen Wohnküche, einem Elternschlafzimmer mit Schrankraum, Badezimmer, WC, Vorraum und Abstellraum nur einen weiteren Schlafraum. Solange unsere Kinder noch nicht in die Schule gehen (der Große wird demnächst 4, die Kleinen beiden sind 2), wollen wir – auch im Sinne der Nachhaltigkeit – hier wohnen bleiben. Wir lieben die Nachbarschaft, in der wir leben, die Nähe zur Natur, und auch der Mietpreis kommt uns entgegen. Außerdem müssen wir immer wieder feststellen, dass die Kinder nicht mehr Platz benötigen. Das Leben spielt sich vorwiegend im Wohnzimmer ab, hier wird nicht nur gegessen, sondern auch gespielt, gebastelt und musiziert. Das Spielzeug wandert aber regelmäßig abends zurück in die Kinderzimmerregale. Das war mir von Anfang an wichtig. Erst seit ein paar Wochen verkriechen sich die drei Kinder zwischenzeitlich auch einmal in ihr Zimmer, um Rollenspiele durchzuführen, die der Große initiiert. Es ist absolut nicht zu klein.

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© Irene Maria Gruber

Im Kinderzimmer stehen die Betten der beiden Kleinen in einer Ecke, das längere Bett des Großen beim Fenster. Die Ecke mit Ikea-Kindermöbel, die wir bei Willhaben, einem österreichischen Anzeigenportal, gebraucht gefunden haben, und der alten TV-Bank, die nun als Sitzgelegenheit dient, wird vor allem dazu genützt, um mit den Autos in der Parkgarage von Hape zu fahren oder um in Ruhe Puzzles zu legen. Die Ikea-Kommode ist übrigens beinahe 20 Jahre alt, hat bereits 3 Wohnungen bezogen, aber ich finde sie immer noch sehr schön. In der Mitte bleibt genug Platz zum Spielen.

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Das 48teilige Dornröschen-Puzzle“ von Die Spiegelburg ist derzeit sehr beliebt beim Großen.

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Ich lese für mein Leben gern schöne und gute Kinderbücher vor. In diesem Bild kann man bei genauerem Hinsehen drei unserer derzeitigen Lieblingsbücher entdecken: Mein großes Buch der Fahrzeuge“ (Gerstenberg), Bus fahren“ (Beltz & Gelberg) und Carls unglaubliches Auto-Lexikon“ (Aladin).

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Ich habe auch ein Faible für gute Illustrationen. In unserem Zimmer hängen Arbeiten von Sandra Juto, Yelena Bryksenkova, Kerry Layton (Seventy Tree) und Len Musik.

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© Irene Maria Gruber

Ich versuche, unseren Kindern nicht zu viel Spielzeug zur Verfügung zu stellen. Über das Zuviel habe ich mir hier bereits einige Gedanken gemacht, und dieses Thema wird mich weiterhin beschäftigen. Spielzeug sollte grundsätzlich sinnvoll sein und die Kreativität fördern. Die einfachsten Sachen sind oft die besten. Mit der Brio-Bahn und den Duplo-Steinen, die ich seit meiner Kindheit aufgehoben habe, spielen alle drei sehr gerne. Wir verwahren sie in großen Körben, die im alten Weichholzkasten stehen. Die bunten Bausteine in wundervollen Farben sind von Janod.

Die Kinderbücher tausche ich gerne aus, wenn eine neue Jahreszeit beginnt. So können sich die Kinder über altbekannte Bücher freuen, die sie länger nicht gelesen haben. Die Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner (Gerstenberg) sind ein Dauerbrenner. Jetzt im Winter besonders toll: So ist der Winter“ (Bohem) und Bald wird es kalt!“ (FISCHER Sauerländer).

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© Irene Maria Gruber

Das kleine Lego stammt aus meiner Kindheit. Kindersachbücher aus Meyers kleiner Kinderbibliothek“ (FISCHER Meyers) und der Reihe Wieso? Weshalb? Warum?“ (Ravensburger) werden immer wieder gerne zur Hand genommen. Wir verzichten auf CD-Player und CDs und verwenden stattdessen die Toniebox.

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© Irene Maria Gruber

Die Girlande in dezenten Farben stammt vom dänischen Unternehmen Fabelab, das großen Wert auf nachhaltige und ökologische Produktion legt. Damit nach Möglichkeit keine Abfälle entstehen, werden kleinere Produkte wie die Girlanden aus Resten gefertigt, die beim Zuschnitt größerer Teile entstehen. Das Bettzeug der Kinder stammt von Grüne Erde und der Wolf, ständiger Begleiter meines Kleinen, ist von Maileg. Er wird in ein paar Jahren mit uns fünf umziehen, und wir sind zuversichtlich, dass wir unser neues Zuhause in einem Wohnprojekt finden werden.

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Ich bin Mama & Primarstufenpädagogin, Germanistin & Skandinavistin und schreibe am liebsten über Bücher und andere brauchbare Dinge für Kinder. Ich lebe mit meinem Mann und meinen drei kleinen Kindern in Wien.

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