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Kinderbücher mit neuen Geschichten für den Herbst

© Irene Maria Gruber

Herbstliche Wälder und Gärten bieten viel Stoff für die Kinderliteratur: Hier stößt man auf verirrte Haustiere, selbstbewusste Hasenkinder, gastfreundliche Rehe, ordnungsliebende Dachse, gar nicht so furchterregende Riesen, auf seltsame Schwarzmäntler und Mooskinder, fremde Dinge aus dem Meer oder einfach nur auf etwas unbekanntes Schwarzes. Und wer hat nicht auch schon einmal wie die Geschwister Finn und Frieda davon geträumt, die kühlere Jahreszeit aufhalten zu können? Neun wundervolle neue Geschichten für Kinder und jung gebliebene Erwachsene.

© Chardin/Rigaudie, Her mit den Gefahren!, Bohem 2017

Ein bemerkenswertes Cover ist das: Auf dem Ast einer herbstlich belaubten Eiche steht ein von Mylène Rigaudie meisterhaft gezeichnetes selbstbewusstes Hasenmädchen. Von den Abenteuern der furchtlosen Anouk, deren Mutter eines Morgens besorgt vor einem leeren Bettchen steht, erzählt – in gereimter Form – Alexandre Chardin. Das Häschen ist von zu Hause ausgerissen! Filou, das älteste der Hasenkinder, stiefelt los und erfährt, dass seine Schwester zum dunklen Wald, gleich hinterm Bach, aufgebrochen ist. Trotz seiner Höhenangst lässt sich Filou vom Adler in den Wald fliegen. Dort trifft er auf einen verschreckten Wolf, der von Anouk gebissen wurde. Er weiß, wo das Häschen steckt: beim bösen Zauberer ganz tief im dunklen Wald. Filou schleicht ängstlich durch die Finsternis, und plötzlich sieht er den Zauberer kopfüber an einem Baum hängen. Und Anouk? Die sitzt am Waldboden und verspeist quietschfidel rote Beeren. Am Heimweg wird noch schnell ein Krokodil aus dem Weg geräumt, und „zuhause ist die Freude groß, Anouk berichtet pausenlos, dass sie sich das nur hat getraut, weil die Familie an sie glaubt.“ Auch wenn die Übersetzungen nicht immer geglückt sind, ist „Her mit den Gefahren!“ eine herzerfrischende, absolut empfehlenswerte Abenteuergeschichte.

© Chardin/Rigaudie, Her mit den Gefahren!, Bohem 2017

„Her mit den Gefahren!“ von Alexandre Chardin und Mylène Rigaudie ist im Bohem Verlag erschienen. 36 Seiten. Für Kinder ab 3 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Druckerei Kettler, Bönen (Deutschland)
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)

© Palmtag, Durch den Wald, Kunstanst!fter 2017

Die Haustiere von Frau Lieb sind merklich verwöhnt. Piep, der Vogel, trällert die Arien der Oper „Carmen“ mit, derweilen wird des Pudels Lockenpracht geföhnt, und der inzwischen schlummernde Kater hat sich offenbar von der Etagere, die mit kleinen süßen Leckereien bestückt am Couchtisch steht, bedient. Doch dann geschieht ein Unglück. Frau Lieb fällt bei der Suche nach ihrer Silberkette von der Leiter und muss ins Krankenhaus. Kurz verfallen die Tiere in Schockstarre: Wer wird sich nun um sie kümmern? Zufällig finden die drei die Kette und beschließen, Frau Lieb zu suchen. Auf dem Weg durch den finsteren Wald stehen sie plötzlich vor einem Keiler. Er rät den ängstlichen Haustieren, sich an die Regeln des Waldes anzupassen, doch das mag nicht so recht klappen. Dann steckt der Kater auch noch im Schlamm fest. „Nun gibt es im Wald kein Zögern mehr, laut schallt das Kommando von Fuchs und Bär: „Los Leute, kommt! Da helfen wir! Ein verwöhnter Kater ist auch bloß ein Tier!“ Alle Tiere des Waldes packen mit an und ziehen den Kater samt Piep aus dem Schlamm.“ Kater, Piep und Pudel erfahren schließlich, dass das Leben viel Spaß bereithält, wenn man etwas wagt. Eine sowohl vortrefflich gereimte als auch detailgenau, liebevoll und witzig illustrierte Geschichte von Nele Palmtag.

„Durch den Wald“ von Nele Palmtag ist im Kunstanst!fter Verlag erschienen. 32 Seiten. Für Kinder ab 5 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Druckerei Thieme, Meißen (Deutschland)
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label), Munken Pure Rough

© Dalvand, Etwas Schwarzes, Baobab Books 2017

In einem dichten, herbstlichen Mischwald liegt etwas Schwarzes. Nun beginnt das große Raten: Was könnte das denn sein? Ungemein zauberhaft und in leuchtenden Farben hat der Iraner Reza Dalvand diesen Wald und die darin lebenden neugierigen Tiere gezeichnet. Ein Leopard fürchtet, das schwarze Etwas könnte ein verlorener Fleck aus seinem Fell sein. Ein Rabe wiederum denkt, das Ding sei ein Stück eines Sterns, und der Himmel würde bald zusammenbrechen. Der Hirsch identifiziert es als abgebrochenes Hufeisen eines Armeepferdes und die Eule glaubt, es sei ein Drachenei, und das Ungetüm werde den Wald in Brand setzen, sobald er geschlüpft sei. Alle Tiere glauben, das Schwarze sei ein übles Vorzeichen. Das Geheimnis wird nicht gelüftet, aber das Ding liegt immer noch im Wald. Vielleicht ist es etwas, von dem nur der Leser weiß: „etwas Schwarzes, etwas Liebenswertes, etwas ganz und gar Ungefährliches.“ Dieses schöne Bilderbuch beinhaltet die leise Aufforderung, nicht in allem Neuen zuerst das Negative zu sehen. Der persische Originaltext ist übrigens als Download erhältlich.

„Etwas Schwarzes“ von Reza Dalvand ist im Baobab Verlag erschienen. 32 Seiten. Für Kinder ab 5 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Druckerei Uhl GmbH & Co., Radolfzell (Deutschland)
Papier: keine Angabe

© Henn/Janisch, Der Riese Knurr, Ravensburger 2017

„Rumms und Kawumm! Im Wald geht was rum! Die Sonne versteckt sich, die Luft wird kalt. Der Riese Knurr stapft durch den Wald.“ Gereimt geht die spannende Geschichte von Heinz Janisch weiter. Alle Tiere haben sich verkrochen und fürchten, der schreckliche Riese werde sie fressen. Doch dann sind drei Mäuse mutig genug, um den Riesen anzusprechen. Sie laden ihn sogar zu ihrer Geburtstagsparty ein – und stellen fest, dass der Riese Knurr überhaupt nicht fürchterlich, sondern vielmehr freundlich ist und sich mit leckerem Kuchen zufriedengibt. Ja, nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Schlussendlich kommen auch die anderen Tiere zum Fest, und es wird gemeinsam bis in die Nacht gefeiert. Übrigens wurde das Buch ganz wunderbar von Astrid Henn illustriert!

„Der Riese Knurr“ von Astrid Henn und Heinz Janisch ist im Ravensburger Verlag erschienen. 32 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: in Deutschland
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)

© Gravett, Aufgeräumt!, FISCHER Sauerländer 2017

Ein gar zu ordnungsliebender, reinlicher Dachs wütet in Emily Gravetts Wald. Er stutzt und schneidet die Blumen, putzt die Tiere, saugt das Laub, poliert die Steine – und als im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, sammelt er alle in Säcken. Dann stören aber auch noch die kahlen Bäume, und der Dachs reißt sie alle mitsamt den Wurzeln aus. Was das Tier nicht bedenkt: Als der Regen kommt, kommt auch die große Flut – unendliche Schlammlawinen sind die Folge. Dem Dachs fällt nichts Anderes ein, als den Waldboden zuzubetonieren. Doch wo sind nun die Würmer und Käfer, die er fressen will, und wo sein Dachsbau? Mithilfe der anderen Tiere beginnt er, den Wald wieder aufzubauen … und verspricht, in diesem schönen Lebensraum nicht wieder aufzuräumen.

„Aufgeräumt!“ von Emily Gravett ist im FISCHER Sauerländer Verlag erschienen. 40 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: in China
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)

© Hergane/Rauers, Borst vom Forst, Magellan Verlag 2017

Der kleine Frischling Borst findet im Wald etwas, das ihm bislang unbekannt war: ein Meeresschneckenhaus. „Die Schnecke riecht nach Himmel statt Erde. Nach Warm statt Kalt. So fremdschön, weil … Die Schnecke riecht nach Gegenteil.“ Borst will das Fremde entdecken und nach Gegenteil, zum Mehr, laufen – das versteht er nämlich statt des unbekannten Wortes „Meer“, das ihm die Möwe als Herkunftsort des Schneckenhauses nennt. Der Vogel zeigt dem Wildschwein den Weg dorthin, und am Meer trifft es auf eine Robbe, die am Strand eine Eichel aus dem Wald gefunden hat – und wie Borst ins Gegenteil möchte. Die Robbe ist jedoch nicht sicher, ob sie den Weg ohne Füße oder Flügel schaffen kann. Passagenweise zu verspielt und gar nicht so einfach vorzulesen ist der Text von Yvonne Hergane, aber die Botschaft des kindgerecht illustrierten Buches ist eine schöne: „Du bist eine Robbe, also robbst du. Du hast es in dir drin. Wir haben alles drauf. Tief drin.“

„Borst vom Forst“ von Yvonne Hergane und Wiebke Rauers ist im Magellan Verlag erschienen. 32 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: in Deutschland
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)

© Klein/Meyer, Finn und Frieda halten den Herbst auf, Tulpian 2017

Den Herbst willkommen zu heißen ist nach einem wunderschönen Sommer für viele nicht einfach. Die Geschwister Finn und Frieda wollen überhaupt nicht wahrhaben, dass es draußen plötzlich so kalt ist. Der Morgen fühlt sich an wie ein Tiefkühlfach mit drei Frost-Sternen. Aber Wollsocken anziehen? Niemals! Viel eher wollen die beiden nochmal barfuß laufen und das Gras zwischen den Zehen spüren, das Planschbecken umrunden und … hineinhüpfen, obwohl es in Strömen regnet. Die gelben Blätter des Ahornbaums malen Finn und Frieda schließlich mit grüner Plakafarbe an. Vielleicht kann der trübe Herbst mit solchen Handlungen ja rückgängig gemacht werden. Eine überaus amüsante Geschichte für fortgeschrittene Erstleser.

„Finn und Frieda halten den Herbst auf“ von Martin Klein und Kerstin Meyer ist im Tulipan Verlag erschienen.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Grafisches Centrum Cuno, Calbe (Deutschland)
Papier: keine Angabe

© Brouillard, Im Land der Chintier: Der große Wald, Moritz 2017

Ein Buch, das mehrmals zur Hand genommen werden will, um dann vielleicht geliebt zu werden, spielt im Land der Chintier: „Der große Wald“. Die Belgierin Anne Brouillard hat sich über alle Genregrenzen hinweggesetzt und eine Geschichte komponiert, die weder Bilderbuch noch Comic, weder Roman noch Graphic Novel ist. Sie spielt in einem nordischen Wald, der schön, märchenhaft und gefährlich zugleich scheint. Der Hund Killiok und Veronika haben sich auf die Reise gemacht, um ihren Freund, den Zauberer Vari von Drunter, zu suchen. Mitten in der Wildnis schlafen die beiden in einem behaglichen kleinen Zelt, und wir Lesenden dürfen erahnen, was sich rundherum ereignet. Im Wald unterwegs sind unter anderem ein Zeitungsleser namens Pikkili Mimu, Schwarzmäntler und die liebenswerten Mooskinder, die entführt wurden. Eisenbahnen rauschen vorbei, und schließlich hält ein Zug, der Killiok und Veronika zum Laboratorium bringt, wo sie Vari endlich entdecken. Eine fantasievolle, vielschichtige Lektüre für neugierige Leser.

„Im Land der Chintier. Der große Wald“ von Anne Brouillard ist im Moritz Verlag erschienen. 80 Seiten. Für Kinder ab 6 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Grafiche AZ, Verona (Italien)
Papier: keine Angabe

© Bauer, Steht im Wald ein kleines Haus, Beltz & Gelberg 2017

Das Kinderlied „Steht im Wald ein kleines Haus“ wurde 2012 von der Autorin, Illustratorin und Trägerin des Hans-Christian-Andersen-Preises Jutta Bauer um zwei Strophen erweitert und als stimmungsvoll illustriertes Pappbilderbuch im Moritz Verlag herausgegeben. Das Besondere an dieser klugen Geschichte: Schon für kleine Kinder wird hier spürbar, wie wichtig Toleranz und ein angstfreies Miteinander sind. Das im kleinen Haus wohnende Reh nimmt die vor dem Jäger fliehenden Tiere, den Hasen und den Fuchs, bei sich auf. Als der hungerleidende Mann mit seinem Hund selbst um Unterschlupf bittet, hat die Gastfreundschaft des Rehs keineswegs ein Ende – aber das Gewehr des Jägers muss vor der Tür bleiben. Nun ist dieser Schatz, den jeder kennen sollte, auch als handliches Minimax-Buch bei Beltz & Gelberg erschienen.

„Steht im Wald ein kleines Haus“ von Jutta Bauer ist im Verlag Beltz & Gelberg erschienen. 40 Seiten. Für Kinder ab 2 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Druck: Beltz Bad Langensalza GmbH (Deutschland)
Papier: aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)

 


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