Bilderbücher, Kinderbücher
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Wenn der Schnee die Erde zudeckt. Kinderbücher für die kalte Jahreszeit

img_1338img_1339img_1340img_1341Frisch gefallener Schnee bringt Stille mit. Plötzlich ist die Welt verändert, wirkt wie verzaubert. Das ist auch in der Kinderliteratur zumeist so.

Neueste Bilderbücher zeigen aber auch das bunte Treiben im Schnee: Eines führt uns in die norwegische Fjell-Landschaft, wo wir Touristen und Einheimische bei diversen Aktivitäten im Schnee (durchaus auch kritisch) beobachten können; ein zweites, in Schweden erschienenes erzählt uns von der Begegnung mit fröhlichen Yetis in einem bezaubernden Winterwald. In anderen Kinderbüchern wird das Idyll aufgebrochen: Der Schnee wird zur Metapher für eine Leere, die mitunter Neuanfänge ankündigt. In einem sehr nachdenklichen iranischen Kinderbuch bauen Kinder einen Schneemann, der, zum Leben erweckt, ewiges Eis fordert, schließlich aber doch schmelzen muss, um dem neuen Frühling Platz zu machen. In einer weiteren Geschichte durchwandert ein kleines Mädchen unendlich weite Schneelandschaften, um eine Frau aus ihrem Einsiedlerdasein geleiten zu können. Das letzte hier vorgestellte Buch bietet eine moderne Auslegung der Weihnachtsgeschichte. Die ereignisreiche Reise durch klirrende Kälte und verschneite Wälder nach Betlehem hat ein nicht nur die Herzen erwärmendes Ende.
Uns ist übrigens nicht egal, auf welche Weise und in welchen Teilen der Erde Bücher produziert werden. Daher liefern wir zu jedem Titel den Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

„Winterspaß im Slapsefjell“ (Bjørn R. Lie, kunstanst!fter, ab 4 J.) zeigt das bunte Treiben im fiktiven norwegischen Wintersportort Slapsefjell („Schneematschberg“). Im Bergdorf beginnt ein eisig kalter Wintertag, der Himmel ist klarblau, der seidenweiche Neuschnee glitzert in der Morgensonne, es hat minus 4 °C. Wir beobachten eine Menagerie von schrulligen Charakteren auf Loipen und Buckelpisten, im Sessellift und beim Après-Ski – und der Himmel ist, ach, so rosa, wie er nur im hohen Norden sein kann! Aber nicht alles ist so rosig. Wir sehen Waldarbeiter, die Bäume fällen, weil ein umstrittener Wochenendpalast gebaut werden soll, und einen Eisfischer, der eine verrostete Kandahar-Bindung und einen Schlittschuh aus dem zugefrorenen See holt. Die Slapsefjell-Rallye macht die Luft abgasschwer. Dann folgen wir den Einheimischen durch die Straßen, blicken in Schulzimmer und können uns nicht an der Abenddämmerung sattsehen. Ein einzigartig schönes Buch, das nicht nur Wintersport- und Skandinavienfreunde lieben werden. CO2-kompensierter Druck auf Papier mit FSC-Mix Label (aus verantwortungsvollen Quellen), Dr. Cantz’sche Druckerei Medien GmbH, Ostfildern (Deutschland).

Endlich sind die Berge weiß, und die liebenswerten kleinen Jungs Uno und Max können Snowboard fahren gehen. Zwisch, zwosch, zwisch, zwosch. Schnell geht es den Hang hinab, in den Wald hinein – nach ein paar Schwüngen haben sich die Brüder schon verlaufen. Plötzlich steht ein Ungeheuer mit dickem Fell und großen Füßen vor ihnen: ein Yeti! Der Schneemensch schleppt Uno und Max mit in seine gemütliche Höhle, wo sie einen zweiten, Holzeulen schnitzenden Yeti kennenlernen. „Yeti Pleki Plek!“ (Eva Susso, Bohem, ab 3 J.) ist der freudige Ausruf der neuen Freunde. Uno und Max bekommen eine Holzeule geschenkt und Blaubeer-Tannenzapfensuppe zu essen, doch während Uno zufrieden seinen Mittagsschlaf macht, muss Max an Papa denken. Der Yeti bringt sie schließlich nach Hause, wo die Jungs erstmals die Holzeule, die im Regal steht, entdecken. Witzig erzählt, toll illustriert. Druck auf Papier mit FSC-Mix Label, Finidr (Tschechien).

Ein tiefgründiges zweisprachiges Bilderbuch aus dem Iran thematisiert die Manipulierbarkeit von Menschen. Es beginnt – dem Persischen entsprechend – auf der letzten Seite, man blättert nach vorne. Als endlich Schnee gefallen ist, bauen die Kinder in einem Dorf einen riesigen Schneemann. Der Dorfvorsteher und ein Großvater spendieren Hut und Stock. Am nächsten Morgen erwacht „Der große Schneemann“ (Seyyed Ali Shodjaie u. Elahe Taherian, Baobab, ab 5 J.) zum Leben. Er fordert anfangs nur Essen und Eis, um dem Schmelzen entgegenzuwirken. Bald jedoch werden die Befehle zahlreicher und wunderlicher, und die Menschen lassen sich widerstandslos herumkommandieren. Sogar die Sonne lehnen sie schließlich ab: Ihr Schneemann würde ja schmelzen, der Frühling könnte Neues, Unbekanntes bringen – eine Erinnerung an die politischen Ereignisse der letzten Jahre? Die Sonne lässt sich jedenfalls ein Jahr lang nicht blicken, versucht es dann wieder und setzt dem kalten Leben im Dorf schließlich ein Ende. Druck auf FSC-zertifiziertem Papier „Design Offset“, Freiburger Graphische Betriebe, Freiburg im Breisgau (Deutschland).

Einen beschwerlichen Weg hat „Das Mädchen von weit weg“ (Annika Thor u. Maria Jönsson, Oetinger, ab 4 J.) wohl hinter sich, als es über eine weite Schneedecke wandert. Wie ein roter Ball sticht es aus dem Weiß. Als das Mädchen ans Haus der Grauen gelangt, versucht es, bei der Frau Unterschlupf zu bekommen. Obwohl die Graue lieber einsam in ihrer warmen Stube sitzt, verspürt sie Mitgefühl und lässt das Mädchen zum Ofen, gibt ihm zu trinken – ja, lässt es schließlich sogar in ihrem Bett übernachten. Nachdem die Graue das Kind am nächsten Tag wieder in die Kälte hinausgeschickt hat, kommt es zum Wendepunkt: Sie wagt sich hinaus in den tiefen Schnee, folgt den Spuren des Mädchens und findet es nach längerer Suche auch. Die Gegenwart des Kindes eröffnet der Grauen schließlich völlig neue Perspektiven. Eine wunderbar illustrierte, stimmungsvolle Geschichte – traurig und hoffnungsfroh zugleich. Druck auf Papier mit FSC-Mix Label, ohne Angabe der Druckerei.

„Es war einmal ein kleiner Esel, der war erst kürzlich zur Welt gekommen. Der Schnee auf den Feldern und Wiesen lag mindestens einen halben Meter hoch, in den Wäldern klirrte der Frost.“ Das Eselchen, das im Stall liegt, wird vom Atem der Mutter gewärmt und bekommt immer wieder die Geschichte vom Jesulein in der Krippe erzählt. Eines Tages ist die Eselin plötzlich verschwunden, doch ein Engelchen, barfuß, seine Flügel als Schal getarnt, weiß, dass sie in Betlehem gebraucht wurde. „Das Eselchen und der kleine Engel“ (Otfried Preußler, Thienemann, ab 4 J.) machen sich auf den langen Weg dorthin, und nicht alle nehmen die beiden wahr: Die im verschneiten Dorf herumeilenden, mit Geschenken und Christbäumen beladenen Menschen haben anderes im Kopf. Einige Kinder und Frauen aber, ein Bäcker samt Familie, ein Schäfer mit Hunden und Herde, eine Würstelfrau und der Polizeiwachtmeister begleiten die beiden auf ihrer Reise durch die Winterlandschaft. Schließlich erleben sie ein Weihnachtswunder, das sich für jeden, der aufnahmebereit ist, jährlich wiederholen kann. Eine Neuauflage der bezaubernden modernen Weihnachtsgeschichte. Druck auf Papier mit FSC-Mix Label, PHOENIX PRINT GmbH (Deutschland).

Diese Rezension wurde in Biorama #46 (Dezember 2016/Jänner 2017) abgedruckt.

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