Kinderbücher, Selber lesen
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Wenn menschen flüchten müssen #2

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

Zu den Themenfeldern Krieg, Flucht, Migration und Integration wurden im letzten Beitrag sechs Bilderbücher vorgestellt, diesmal sind fünf Bücher für Kinder im Grundschulalter an der Reihe, in denen Schicksale von Kindern erzählt werden, die Krieg und Flucht erlebt haben und dabei sind, sich im neuen Zuhause zurecht zu finden. Junge Leser können anhand dieser Lektüre Empathie für Kinder in Notsituationen entwickeln.

Sollen Kinder mit derart sensiblen Themen konfrontiert werden? Ja, denn vermutlich haben die meisten bereits einiges aufgeschnappt und empfinden Angst oder Ohnmacht. In solchen Situationen ist es hilfreich, darüber zu lesen und zu sprechen. Außerdem kann es nur gut sein, eine Antikriegshaltung zu fördern und den Kleinen klar zu machen, wie wichtig es ist, sich für den Frieden einzusetzen und Menschen in Not, die vielleicht unsere neuen Nachbarn sind, zu helfen.

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

„Bestimmt wird alles gut“ ist die wahre Geschichte über die Flucht einer Familie aus Homs in Syrien nach Deutschland, zweisprachig auf Deutsch und Arabisch erzählt. Die bekannte Autorin Kirsten Boie gibt die plötzliche Veränderung des Alltags der Geschwister Rahaf und Hassan wieder, die in Homs ein schönes Leben gehabt hatten, bis die Flugzeuge und die Überlebensangst kamen. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft beschlossen die Eltern zu flüchten – von Ägypten übers Mittelmeer nach Italien und weiter mit dem Zug nach Deutschland. Aus dem Erstaufnahmelager zog die Familie ins Containerdorf, bald darauf konnten die Kinder eine Schule besuchen. Rahaf trifft dort auf ein freundliches Mädchen, das ihr schnell einige deutsche Wörter beibringt. Und in aller Not und bei allem Heimweh bleibt die Familie optimistisch und hofft, dass der Vater bald wieder als Arzt arbeiten darf. Die realistischen, cartoonähnlichen Bilder steuerte Jan Birck bei und im Anhang findet sich ein kleiner Sprachführer mit den wichtigsten Wörtern auf Deutsch und Arabisch. Ein Buch, das einen wichtigen Beitrag leistet, indem es Flüchtlingen eine Stimme gibt.

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

© Jan Birck / Klett Kinderbuch, 2016

„Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie und Jan Birck ist im Klett Kinderbuch Verlag erschienen. 48 Seiten. Für Kinder ab 6 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: keine Angabe
Druck und Bindung:

Livonia Print, Riga (Lettland)

 

© Picus Verlag

© Picus Verlag

Nuri ist mit ihren Eltern aus Bagdad nach Deutschland geflohen, und hier ist alles anders als im Irak: Es regnet ständig, in der Schule muss man nicht still sitzen und es fallen keine Bomben. Nuri vermisst ihre Heimat und Tante Marwa, die im Irak zurückgeblieben ist und Nuri immer Geschichten aus dem Geschichtenteppich erzählt hatte. Tante Marwa schreibt das Mädchen jene Briefe, die wir im Buch lesen können und aus denen wir Nuris großes Geheimnis, dass sie die deutsche Sprache versteht, erfahren. Nuris Eltern, die schon lange einen Studienplatz in Deutschland angestrebt hatten, sprachen schon Deutsch miteinander, als Nuri noch ein Kleinkind war. Darüber hinaus berichtet das Mädchen in den Briefen, dass einige Mitschüler nichts mit mit ihr anfangen können, ihr das Essen aus der Hand schlagen und sagen, sie stinke. Als der Vater Nuri einen Geschichtenteppich schenkt, bekommt sie wieder Geschichten erzählt. Eine, die von den Schwarzzahnmonstern, schreibt das Mädchen in seinen Briefen auf. Und eines Tages teilt Nuri die Geschichte auch in der Schule mit. „Geschichten erzählen kann dein Leben retten“, hatte Tante Marwa erklärt. Und irgendwie fühlt sich das so an, als Nuris Klassenkameraden Patrick und Kevin beginnen, Interesse an den Abenteuern der Schwarzzahnmonster zu zeigen …

„Nuri und der Geschichtenteppich“ von Andrea Karimé und Annette von Bodecker-Büttner ist im Picus Verlag erschienen. 64 Seiten. Für Kinder ab 7 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)
Druck und Bindung:

Druckerei Theiss, St. Stefan (Österreich)

 

© dtv junior

© dtv junior

Paul Maars 1988 geschriebene Geschichte „Neben mir ist noch Platz“ ist kürzlich in aktualisierter Neuauflage erschienen. Vor 28 Jahren floh Aischa vor dem Bürgerkrieg im Libanon, heute flieht das Mädchen aus Syrien nach Deutschland. Aischa lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in einem alten Gasthof und geht zur Schule. Und weil sie Steffi geholfen hat, als diese im Turnsaal eingesperrt war, hat sie auch eine gute Freundin gefunden, der es egal ist, was die anderen über Aischa reden. Aischa kann Steffi alles erzählen, sogar vom Krieg in Syrien. Sie darf ihre Freundin auch zu Hause besuchen, wenn auch nur gemeinsam mit ihrem Bruder Jussuf. Steffi lernt, dass in Aischas Familie andere Regeln wichtig sind, und die Mädchen können sich über diese Unterschiede unterhalten, ohne dass ihre Freundschaft infrage gestellt wird. Eines nachts wird ein Anschlag auf das Wohnheim verübt, der Aischa zutiefst verängstigt, und eigentlich wollte Steffi am Tag darauf ihre Freundin zur Geburtstagsfeier – zu der ausschließlich Mädchen kommen sollten – einladen. Doch nun steht bei der Feier wieder Jussuf in der Tür, und als Steffi ihn wegschickt, verlässt auch Aischa betreten die Party. Die Mädchen gehen daraufhin getrennte Wege, aber als klar wird, dass Aischa in eine andere deutsche Stadt ziehen muss, finden die beiden wieder zusammen. Ein Buch, das gerade deshalb so wertvoll ist, weil es zeigt, dass Missverständnisse und Vorurteile durch Offenheit und Begegnung ausgeräumt werden können.

„Neben mir ist noch Platz“ von Paul Maar ist bei dtv junior erschienen. 48 Seiten. Für Kinder ab 7 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)
Gesamtherstellung:

Kösel, Krugzell (Deutschland)

 

© Yayo Kawamura, Reihe Hanser, dtv

© Yayo Kawamura, Reihe Hanser, dtv

In einigen Schulklassen gibt es Schüler, die noch kaum Deutsch sprechen und mehrere Stunden täglich Sprachförderkurse besuchen. Diese finden zwar in der Schule, aber nicht integrativ statt, die Kinder verbringen zumeist mehrere Stunden des Vormittags bei anderen Lehrern. Was machen die Kinder dort? Die Grundschulpädagogin Regine Kämper, die selbst solche Kurse leitet, hat ihre Erlebnisse mit einer kleinen bunten Truppe in einem gut lesbaren Buch niedergeschrieben. Neun Kinder aus neun verschiedenen Ländern, zwischen sechs und sieben Jahre alt, lernen Deutsch – manchmal mit Händen und Füßen und unterschiedlich schnell – und haben ganz viel Spaß dabei. Mit viel Wertschätzung und Geduld werden Zahlen und Buchstaben gelernt, Reime aufgesagt oder Wörter zusammengesetzt. Während eines Spiels fliegt einmal ein Flugzeug über die Schule, und Amina aus Syrien hat Angst. In diesem Moment wird klar, dass die Lehrerin nicht nur die Aufgabe hat, den Kindern eine Sprache beizubringen, vielmehr wird sie durch ihr Handeln zu einer zentralen Bezugsperson. Man kann sich nur wünschen, dass eine derart wichtige Aufgabe von vielen engagierten Menschen wie Regine Kämper übernommen wird.

© Yayo Kawamura, Reihe Hanser, dtv

© Yayo Kawamura, Reihe Hanser, dtv

„Amina, Erdal, Njami und die anderen. Geschichten aus der Deutschstunde“ von Regine Kämper und Yayo Kawamura ist in der Reihe Hanser der dtv Verlagsgesellschaft erschienen. 80 Seiten. Für Kinder ab 8 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)
Druck und Bindung:

Druckerei Pustet, Regensburg (Deutschland)

 

© Boje Verlag

© Boje Verlag

Eine kleine Walnuss aus dem Garten ihrer geliebten Großmutter hat die 11jährige Leila auf der Flucht aus Syrien wie einen Schatz gehortet. Sie war mit ihrer Mutter und den zwei Brüdern geflohen und musste die Großmutter und ihren Vater zurücklassen. Bei einem Schwindelanfall, den sie in der neuen Schule in einem kleinen norddeutschen Ort erleidet, kommt ihr die Nuss abhanden. Max, ein Mitschüler Leilas, möchte ihr bei der Suche helfen und hofft, ihre Freundschaft zu gewinnen. Über kurz oder lang begreift Max, was es bedeutet, von zu Hause fliehen zu müssen – doch er erfährt es auf Umwegen über seine eigene Großmutter. Sie kann sich in Leila hineinversetzen, da sie als Kind selbst aus Pommern fliehen musste. Sie wird Leilas wichtigste Bezugsperson und erzählt dem Mädchen jene Geschichten, die sie vermutlich nie jemandem erzählen wollte. Und sie lehrt Leila, dass man seine Heimat niemals vergessen wird, egal wo man ist, da man sie im Herzen mit sich trägt. Kathrin Rohmann hat ein ganz besonders einfühlsames Buch geschrieben, das man nicht aus der Hand legen kann.

„Apfelkuchen und Baklava oder Eine neue Heimat für Leila“ von Kathrin Rohmann ist im Boje Verlag erschienen. 175 Seiten. Für Kinder ab 10 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)
Druck und Einband:

CPI books GmbH, Leck (Deutschland)


biorama_logo Diese Rezension wurde auf biorama.eu veröffentlicht.

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