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Friedenspreisträger Navid Kermani schreibt für Kinder

(c) Picus Verlag

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2015 geht der Friedenspreis des deutschen Buchhandels an den deutschen Orientalisten, Schriftsteller und Essayisten Navid Kermani. Im Picus Verlag ist Kermanis erstes Kinderbuch „Ayda, Bär und Hase“ erschienen, das sich gut zum Vorlesen eignet. Es ist eine wunderbare Geschichte über Freundschaften, die über Vorurteile, kulturelle Verschiedenheiten und Ausgrenzung hinweg bestehen. Tak-o-tanhâ? Das Leben ist doch bis zum Himmel schön!

Die 5jährige Ayda, Tochter zweier Iraner, lebt in Köln. Sie hat zwei Kindergartenfreunde, Paul und Lisa, von denen sie immer wieder aufs Neue ausgeschlossen wird. Ayda wird von ihnen als Knirps bezeichnet, da sie kleiner ist als die beiden, obwohl auch sie im Herbst in die Schule kommen wird. Tak-o-tanhâ, einsam und allein, wie es auf Persisch heißt, ist Ayda oft. Und eines Tages verschwindet das Mädchen spurlos aus dem Kindergarten. Auch ihr Vater hatte sie am Abend zuvor nicht trösten können – er ist treuer Fan des 1. FC Köln und Niederlagen sowie schlechte Tage gewöhnt. Traurigkeit gehöre zum Leben dazu, erklärte er seiner Tochter.

Ganz unerwartet trifft Ayda im Wald auf einen Bären und einen Hasen. Der Bär ist in Menschenjahren etwas jünger als Ayda, der Hase etwas älter. Der Bär ist groß, der Hase klein. Bald bilden die drei ein ungewöhnliches, unschlagbares Team, das sich bald gemeinsam nach Köln-Eigelstein, Aydas Wohnbezirk, vorwagt. Die Menschen sind überrascht, einige fürchten sich vor dem Bären, viele nehmen den Hasen nicht ernst. Ayda wird einmal mehr mit Vorurteilen konfrontiert. Bär und Hase sticheln sich häufig auch gegenseitig auf, versöhnen sich aber schnell wieder. Eines Tages möchte Ayda die beiden Tiere in den ausverkauften Zirkus mitnehmen – sie, Paul und Lisa hatten Karten besorgt. Spontan springt der Bär für die krank gewordenen Tiger ein, und er und Hase können die Vorstellung kostenlos besuchen.

(c) Picus Verlag

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Aydas Eltern sind erleichtert, dass ihre Tochter neue Freunde gefunden hat, und machen es sogar möglich, dass Bär und Hase im Wohnwagen mit nach Spanien auf Urlaub fahren. Dort trifft sich die persische Großfamilie im Ferienhaus der Großeltern: Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen kommen aus dem Iran und aus den USA angereist. In Spanien treffen Ayda, Bär und Hase auf einen ausgehungerten Esel, der von einem Mann als Lasttier ausgenützt wird. Die drei Freunde helfen dem Tier, indem sie es im Haus der Großeltern unterbringen. Ayda kommt zu einer wichtigen Erkenntnis: „Wenn man unglücklich ist, muss man sich nicht damit abfinden, sondern versuchen, es zu ändern!“

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Zurück in Deutschland hat die Schule, vor der Ayda große Angst hatte, begonnen. Paul und Lisa, die in die selbe Schule gehen, sind wieder nur selten für sie da, aber Bär und Hase trifft sie weiterhin, vor allem an den Wochenenden. Schließlich helfen Bär und Hase Ayda, sich auch gegen ältere Kinder durchzusetzen und in der Schule angesehen zu sein: In einem Wettkampf besiegen sie im zu dritt drei große Jungs. Am Ende der Geschichte ist Aydas Glück beinahe vollkommen, da sich ihre Eltern nun auch mit den Bären- und den Haseneltern angefreundet haben.

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Navid Kermani hat mit „Ayda, Bär und Hase“ ein liebevolles Buch für Kinder und VorleserInnen geschrieben. Sobald man sich an die sprechenden Tiere gewöhnt hat, erkennt man die klugen Absätze der Geschichte. Gelungen in den Erzähltext eingebaut sind persisch- und türkischsprachige Passagen, und die Erklärungen zur richtigen Aussprache regen zum Mitsagen an.

Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist, Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste (Klasse der Künste) sowie der Hamburger Akademie der Wissenschaften. Von 2000 bis 2003 war er Long Term Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, von 2009 bis 2012 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Das Jahr 2008 verbrachte er als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Er hielt die Poetikvorlesungen in Frankfurt, Göttingen und Mainz; Gastprofessor war er in Frankfurt sowie am Dartmouth College in den Vereinigten Staaten.

Eine ausführliche Biografie sowie eine Bibliografie Navid Kermanis findet sich auf der Website des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Die Verleihung des Friedenspreises findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, den 18. Oktober 2015, in der Paulskirche statt und wird live im ZDF übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

„Ayda, Bär und Hase“ von Navid Kermani ist im Picus Verlag erschienen. 155 Seiten. Für Kinder ab 5 Jahren.

Nicht als E-Book erhältlich.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: keine Angabe
Druckfarben: keine Angabe
Druck und Bindung: Druckerei Theiss GmbH, St. Stefan im Lavanttal (Österreich)

 


 

biorama_logo Diese Rezension wurde auf biorama.eu veröffentlicht.

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