Kinderbücher, Kindersachbücher
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Die große Kunst der Kunstvermittlung

Eine besonders feine und noch ganz junge Sparte eines renommierten deutschen Buchverlags sollte nicht unbekannt bleiben: Im Herbst des letzten Jahres wurde im E. A. Seemann Verlag ein Kinder-Kunst-Programm präsentiert, genannt die E. A. Seemanns Bilderbande. Neben Such-, Activity- und Kritzelbüchern sowie Entdeckerbüchern sind bereits ein paar beachtenswerte Erzählbücher erschienen, die Kindern – ohne den Zeigefinger belehrend zu erheben – Kunst näherbringen wollen.

© Daan Remmerts de Vries / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

© Daan Remmerts de Vries / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

Eines dieser Bücher ist „Herr Kandinsky war ein Maler“. Man greift vermutlich erst zu diesem Buch, wenn man den Namen Wassily Kandinsky kennt und weiß, wofür der Mann berühmt geworden ist. Und auch für Kinder wird die Geschichte erst greifbar sein, wenn sie schon Bilder des Malers betrachtet haben. Was hat dieser gewisse Herr Kandinsky eigentlich gemacht, und warum zahlt es sich aus, mehr über ihn zu erfahren? Der Niederländer Daan Remmerts de Vries hat sich näher mit dem Leben und Wirken des Malers beschäftigt und versucht nun, Kindern dessen Kunst näher zu bringen. Viele Kinder mögen Malerei. Und oftmals finden sie den Zugang zu Kunstwerken über die Lebensgeschichten der Künstler. Ganz nach dem Motto: Wenn man jemanden näher kennen lernt, wird auch das interessant, was dieser Mensch tagein, tagaus macht. Wie er fühlt, was er mag und was ihm Kummer bereitet. Und hier lernen wir eben Wassily Kandinsky näher kennen, diesen Maler, der auf dem Titelbild als kleines Männlein mit Brille und Pinsel abgebildet ist. Ein fröhliches blaues Pferd springt diesem Mann entgegen; es ist ein erster Hinweis auf die Künstlervereinigung „Blauer Reiter“. Das Pferd weicht dem Maler Kandinsky über viele Seiten hinweg nicht mehr von der Seite.

© Daan Remmerts de Vries / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

© Daan Remmerts de Vries / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

Am Beginn der Geschichte springt es aus einem seiner Bilder heraus, und es wird zu einem wichtigen Begleiter und Inspirator des Herrn Kandinsky. Nur er kann das blaue Pferd sehen – und wenn es bei ihm ist, kann Brot plötzlich rot, können Schuhe grün oder Musik gelb sein. Denn „alles und jedes hat seine eigene, ganz besondere Farbe“, meint das Pferd. Es verleitet Kandinsky dazu, so zu malen, wie er gerade empfindet – er wird zum Expressionist. Seine Bilder werden zunehmend „anders“, abstrakter, und die Meinungen anderer sind ihm vorerst egal. Doch dann, mit der Gründung der Sowjetunion und später dem Aufschwung der Nationalsozialisten, steht Kandinskys Leben und Schaffen vor einer Wende. Daan Remmerts de Vries versucht, diese Veränderungen kindgerecht darzustellen, er erwähnt keine Details. Hammer und Sichel und ein Hakenkreuz sind auf einer Seite zu erkennen. Kandinskys langjährige Flucht von Russland über Deutschland nach Frankreich wird nicht explizit erwähnt. Erklärungen müssten von Erwachsenen nachgeliefert werden. Wichtiger für den Autor und Illustrator ist, Kandinskys Weg zu immer abstrakteren Bildern zu vermitteln. So kehrt das blaue Pferd bald wieder zurück und hilft dem synästhetischen Maler schließlich, auch Geräusche auf seine Bilder zu bringen. Ein tolles, buntes Buch, das vielen gefallen wird.

„Herr Kandinsky war ein Maler“ von Daan Remmerts de Vries ist im E. A. Seemanns Bilderbande Verlag erschienen. 24 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

© Sieb Posthuma / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

© Sieb Posthuma / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

Draht war nicht nur irgendein Material für den amerikanischen Bildhauer Alexander Calder. Mit Draht konnte er, wie es scheint, das ganze Leben darstellen und formen. Bekannt geworden ist Calder für die Erfindung eines Gebildes, das sich in der Alltagswelt unserer Kinder wiederfindet: das Mobile. Dieses sich mit dem Luftzug bewegende Ding hängt in vielen Kinderzimmern von der Decke, somit könnte das Interesse an der Geschichte „Der Draht von Alexander Calder“ bereits geweckt sein. Und was dieser Alexander alles mit einem einfachen Stück Metall macht! Er biegt, zieht, dreht, zwickt, zwirbelt und wickelt die alltäglichsten und fantasievollsten Dinge. Ein Himmelbett zum Träumen zum Beispiel, ein Fahrrad, Tiere, die es nicht gibt, sogar Monster mit Fangarmen oder zwei Köpfen, Gärten und eine Stadt mit Wolkenkratzern. Wenn ihm langweilig ist, biegt er sich aus seinem Draht Freunde. Aber alles das reicht ihm eines Tages nicht mehr. Er möchte etwas Lebendiges schaffen, das sich selbst bewegt. Schließlich hängt er die Farben Rot, Blau, Gelb und Schwarz an ein Drahtgestell. Schlussendlich tanzt auf der letzten Doppelseite ein wunderschönes Gebilde leise im Wind – Alexander Calder gibt ihm den Namen „Mobile“. Rot, Blau, Gelb und Schwarz sind die Farben, die Calder vorwiegend für seine Kunstwerke verwendete. Sie dominieren auch die Seiten dieses beeindruckenden Buches von Sieb Posthuma. Der Kreativität freien Lauf lassen und aus einfachen Dingen Neues schaffen – das wird Kindern hier gezeigt. Ganz wunderbar!

© Sieb Posthuma / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

© Sieb Posthuma / E. A. SEEMANNs BILDERBANDE

„Der Draht von Alexander Calder“ von Sieb Posthuma ist im E. A. Seemanns Bilderbande Verlag erschienen. 24 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: keine Angabe
Druckfarben: keine Angabe
Druck und Bindung: Schreckhase, Spangenberg (Deutschland)

 


 

biorama_logo Diese Rezension wurde auf biorama.eu veröffentlicht.

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