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Jim Knopf feiert seinen 55. Geburtstag

Jim Knopf Cover

(c) Illustration F.J. Tripp/M. Weber

Michael Endes Kinderbuchfigur Jim Knopf, der zweite Lokomotivführer auf der Insel Lummerland, feiert am 9. August seinen 55. Geburtstag. Der Thienemann Esslinger Verlag gratuliert mit zwei eigens kolorierten Neuausgaben der Klassiker „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ sowie „Jim Knopf und die Wilde 13“. Nicht nur aufgrund der wunderschönen neuen Bände lohnt es sich, die fantastischen Geschichten von Jim Knopf und seinen Abenteuern zu lesen.

Jim Knopfs Erlebnisse laden kleine und große LeserInnen auf spektakuläre Fantasiereisen ein und veranschaulichen in eindrücklicher Weise, was Empathie und Hilfsbereitschaft bewirken können. Die Geschichte ist zeitlos und regt immer wieder zum kritischen Hinterfragen an. Michael Ende hat vor 55 Jahren eine faszinierende Kinderbuchfigur geschaffen, die als kleines schwarzes Baby in einem Paket mit beinah unleserlicher Adresse auf der Insel Lummerland ankommt. So beginnt die Geschichte von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.

Auf der winzig kleinen Insel leben vor Jim Knopfs Ankunft nur vier Menschen: König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, seine beiden Untertanen, die Kaufladenbesitzerin Frau Waas und Herr Ärmel, sowie Lukas, der Lokomotivführer. Jim Knopf wird mit offenen Armen empfangen und wächst bei Frau Waas auf. Als Jim älter und größer wird, wird die Insel langsam zu klein und Lukas‘ Lokomotive Emma soll aus Platzmangel weichen. Lukas beschließt daraufhin, die Insel gemeinsam mit seiner zu einem Schiff umgebauten Lokomotive zu verlassen – ohne Emma wäre er doch kein Lokomotivführer mehr. Jim Knopf kann nicht zulassen, dass sein bester Freund wegen ihm gehen muss, und sticht gemeinsam mit Lukas in See.

Jim Knopf innen 1

(c) Illustration F.J. Tripp/M. Weber

Das große Abenteuer beginnt, und nach einer langen Reise über das Meer kommen die beiden in Ping, der Hauptstadt des Landes Mandala, an. Dort ist alles so anders! Vor allem das Essen… und die Menschen! Manche sind eigentlich noch Babys, können aber schon ganz schön viel – wie zum Beispiel Ping Pong, ein Kindeskind aus Mandala, ganze 368 Tage alt, mit dem sich die zwei Ankömmlinge anfreunden. Nachdem sich Lukas und Jim Knopf ein wenig eingewöhnt haben, erfahren sie vom Verschwinden der Prinzessin Li Si. Sie soll in der Drachenstadt Kummerland von der schrecklichen Frau Mahlzahn gefangen gehalten werden. Jim und Lukas setzen sich zum Ziel, die schöne Prinzessin zu befreien.

Auf ihrer abenteuerlichen Reise fahren die beiden Freunde mit Emma durch das höchste Gebirge, die „Krone der Welt“, bewältigen den Weg durch das unheimlich schaurige „Tal der Dämmerung“, schließlich gelangen sie in die Wüste „Das Ende der Welt“. Immer wieder stehen die beiden vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen und müssen einsehen, dass sie ohne den jeweils anderen verloren wären. In der Wüste treffen Jim und Lukas auf den Scheinriesen Herrn Tur Tur, vor dem sie anfänglich Angst haben, der sich jedoch als Freund erweist. Ein Halbdrache, zu dem sich Jim und Lukas ebenfalls hinwagen, kann ihnen schließlich helfen, in die abgeschlossene Drachenstadt zu gelangen. Schlussendlich schaffen es Jim und Lukas tatsächlich, die schöne Prinzessin Li Si aus den Klauen von Frau Mahlzahn zu befreien. Auch für die Rückkehr nach Lummerland findet sich eine Lösung…

Jim Knopf innen 2

(c) Illustration F.J. Tripp/M. Weber

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist ein ungemein fantasievolles und intelligentes Kinderbuch, das sich hervorragend zum Vorlesen eignet und auch nach 55 Jahren nichts von seinem Zauber eingebüßt hat. Für die Neuausgaben wurden die schwarz-weißen Illustrationen von F. J. Tripp aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ sowie „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Illustrator Mathias Weber koloriert. Dem Illustrator kann man in einem Video bei der Arbeit zusehen.

Allerdings löste die Neuausgabe zum Jubiläum auch eine wichtige Debatte aus. Das kleine Baby Jim Knopf wird nach seiner Ankunft auf der Insel vom besserwisserischen Herrn Ärmel als „Neger“ identifiziert – dieses Wort wurde in der Jubiläumsausgabe erneut stehen gelassen. Da schluckt man natürlich. Warum hat man das Wort nicht durch ein anderes ersetzt, wie zum Beispiel in Astrid Lindgrens Klassiker „Pippi Langstrumpf“? Der Oetinger-Verlag entschied, Pippi Langstrumpfs Papa nicht mehr „Neger-König“ zu nennen, sondern „Südsee-König“, es ist auch nicht mehr von der „Neger-Sprache“ die Rede, sondern von der „Taka-Tuka-Sprache“. Im Thienemann Esslinger Verlag argumentiert man die Entscheidung damit, dass der Begriff im Text zum einen nur einmal vorkomme. Außerdem wurde ein später im Buch vorkommendes Statement des Scheinriesen Tur Tur zitiert: „Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf, zum Beispiel, hat eine schwarze Haut. So ist er von Natur aus und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft.v Tatsache ist, dass sich in „Jim Knopf“ zahlreiche Stereotype finden, und auch die Illustrationen von F. J. Tripp können diskutiert werden. Ja, Michael Ende hat vor 55 Jahren sicherlich eine „antirassistische, antiklassistische und antifaschistische Erzählung“ geschrieben (vgl. Artikel in der taz) – für das weiße Bürgertum. Er kann nach seinem Tod leider nicht mehr gefragt werden, ob er das N-Wort gerne ersetzt haben würde.

Michael Ende (1929–1995) hat in einer nüchternen, seelenlosen Zeit die fast verloren gegangenen Reiche des Fantastischen und der Träume zurückgewonnen. Er zählt heute zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern und war gleichzeitig einer der vielseitigsten Autoren. Neben Kinder- und Jugendbüchern schrieb er poetische Bilderbuchtexte und Bücher für Erwachsene, Theaterstücke und Gedichte. Viele seiner Bücher wurden verfilmt oder für Funk und Fernsehen bearbeitet. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche deutsche und internationale Preise. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren erreicht.

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende ist im Thienemann Esslinger Verlag erschienen. 272 Seiten. Für Kinder ab 8 Jahren.

Nicht als E-Book erhältlich.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: Gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix Label)
Druckfarben: keine Angabe
Druck und Bindung: Lavonia Print, Riga (Lettland)

 


 

biorama_logo Diese Rezension wurde auf biorama.eu veröffentlicht.

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